Was ist eine Zahntransplantation?
Unter einer Transplantation versteht man allgemein die Verpflanzung von menschlichen Körperteilen, also entweder von Organen wie beispielsweise einer Niere oder von Gewebe wie Haut. Doch auch Zähne lassen sich transplantieren, sodass beispielsweise Lücken im Gebiss geschlossen werden können.

Was sind die Ursachen für eine Zahntransplantation?
Wie auch bei anderen Zahnersatzformen kann eine Zahntransplantation bei frühzeitigem Zahnverlust oder einer Nichtanlage von Zähnen notwendig werden. Ein vorzeitiger Verlust resultiert meist entweder aus einem traumatischen Einwirken, wie z. B. ein Unfall, oder sehr ausgeprägten kariösen Veränderungen, die schon im Kindesalter auftreten.
Was ist der Unterschied zwischen einer Zahntransplantation und einem Zahnimplantat?
Der Unterschied dieser beiden Methoden liegt vor allem im Material. Während bei einer Transplantation stets organisches – also menschliches oder tierisches – Material zur Anwendung kommt, ist ein Zahnimplantat immer etwas künstlich Hergestelltes. Bei Zähnen ist es genauso – bei der Transplantation wird ein echter Zahn neu eingesetzt, während das Implantat aus Titan speziell gefertigt wird.
Für wen ist eine Zahntransplantation geeignet und für wen nicht?
Grundsätzlich werden Zahntransplantationen in erster Linie bei Kindern und Jugendlichen durchgeführt, da bei diesen einerseits genügend Zähne vorhanden sind, andererseits sich die Zähne und der Zahnhalteapparat noch im Wachstum befinden und daher die Chance eines vollständigen Wiederverfestigens des Zahns und der Wurzel im Knochen hier am höchsten ist.
Handelt es sich um einen bereits ausgewachsenen Patienten, können Zahnwurzel und Zahnmark (Pulpa) oftmals nicht erhalten werden, weshalb zusätzlich eine endodontische Behandlung (Wurzelbehandlung) durchgeführt wird. In beiden Fällen müssen Faktoren wie die richtige Passform des Transplantats, die Beschaffenheit des darunterliegenden Knochens und der Weichteile und die allgemeine Gesundheit des Patienten beachtet werden. Ausschlussfaktor für eine Transplantation ist insbesondere eine ausgeprägte Entzündung des Zahnhalteapparats (Parodontium) beziehungsweise vorübergehende Schleimhautentzündungen.
Was ist der Unterschied zwischen der autologen, autogenen und xenogenen Zahntransplantation?
Je nachdem auf welche Weise und zwischen welchen Organismen Organe beziehungsweise Gewebe übertragen wird, spricht man von unterschiedlichen Transplantationsarten:
Die autogene Transplantation bezeichnet eine Verpflanzung innerhalb eines Individuums. Es wird also beispielsweise ein Weisheitszahn gezogen und an derselben Person an einer anderen Stelle des Kiefers wieder implantiert. Ist ein Zahn durch Gewalteinwirkung herausgebrochen und vollständig erhalten oder von Anfang an verformt beziehungsweise schief aus dem Kiefer ausgetreten, kann der besagte Zahn noch an derselben Stelle wieder eingesetzt werden. Der Begriff „autologe Transplantation“ gilt heutzutage als veraltet, bezeichnet aber im Prinzip denselben Vorgang.

Die allogene Transplantation meint eine Übertragung innerhalb einer Spezies aber unterschiedlichen Individuen, also zwischen zwei unterschiedlichen Personen. Die meisten Organtransplantationen wie wir sie kennen sind allogene Transplantationen, bei denen beispielsweise jemand eine funktionierende Niere spendet, die einer kranken Person eingesetzt wird.
Die xenogene Transplantation ist demnach die Übertragung zwischen unterschiedlichen Spezies. Ein Beispiel wäre die Verpflanzung einer Schweineherzklappe bei einem Menschen.
Welche Zähne eignen sich am besten für eine Transplantation?
Welcher Zahn als Transplantat fungiert, hängt natürlich von der zu füllenden Lücke ab. Bei Kindern und Jugendlichen wird gerne auf Zähne zurückgegriffen, bei denen das Wurzelwachstum noch nicht abgeschlossen ist, da sich diese nach der Transplantation am besten entwickeln, also eine sehr gute Verankerung im Knochen, Versorgung und Wachstum des Zahns stattfindet.
Abgesehen davon werden in der Transplantation von Zähnen hauptsächlich Weisheitszähne (dritter Molar) oder kleine Backenzähne (Prämolar) verwendet. Da Weisheitszähne in der Regel ohnehin entnommen werden, stellen sie das perfekte Transplantat dar, um kleine und große Backenzähne zu ersetzen. Der Ersatz von Schneidezähnen, die vor allem traumatisch bedingt verloren gehen, wird durch einen präparierten Prämolar vorgenommen. Ist der Zahn erhalten, jedoch funktionslos und nicht regelrecht gewachsen, wird er entnommen, präpariert und an derselben Stelle wieder implantiert.
Was muss ich vor einer Zahntransplantation beachten?
Handelt es sich um einen geplanten Eingriff, müssen natürlich einige Faktoren vorher berücksichtigt werden. Dazu gehört eine umfängliche zahnärztliche und kieferorthopädische Begutachtung, eine radiologische Bildgebung und die Sanierung etwaiger Entzündungsherde.
Ein akuter Eingriff, beispielsweise nach einem traumatischen Verlust des Schneidezahns, kann nur durchgeführt werden, wenn der Zahn entsprechend gelagert und dann schnellstmöglich transplantiert wird. Zur richtigen Lagerung kann der Zahn entweder in Milch oder aber in ein Gefäß mit dem eigenen Speichel eingelegt werden. In einer solchen Form ist der Zahn dreißig Minuten bis eine Stunde haltbar – der Besuch beim Zahnarzt sollte also unverzüglich erfolgen.
Wie funktioniert eine Zahntransplantation?
Falls ein Zahn entnommen werden muss, werden Entnahme und Transplantation in einer Operationseinheit durchgeführt. Der zu transplantierende Zahn wird vorsichtig und unter Schonung der Wurzelhaut entnommen und während der Präparierung der zu füllenden Lücke in physiologische Kochsalzlösung oder im Blutserum des Patienten zwischengelagert.
Zwischenzeitlich wird das Zahnfach (Alveole) für den neuen Zahn präpariert. Nach Einsetzen des Zahns muss dieser für die ersten Tage mit einer Naht fixiert werden. Muss der zu transplantierende Zahn nicht erst gezogen werden, sondern wird nach Ausfall mitgebracht, wird er kurzzeitig in eine antibiotische Lösung eingelegt, um das Keimrisiko zu verringern, und anschließend eingesetzt.

Welche Risiken und Komplikationen können auftreten?
Neben allgemein chirurgischen Risiken wie einem hohen Blutungsrisiko nach der Operation oder Unverträglichkeitsreaktionen auf die Anästhesie können einige spezifische Risiken und Komplikationen auftreten. Dazu gehören Infektionen und Entzündungen, die zum frühzeitigen Verlust führen, da sie auf Wurzel und Pulpa übergreifen.
Auch eine Wurzelresorption lässt sich nicht ausschließen. Dabei wird die entzündliche Wurzelresorption von der Umbauresorption (Ankylose) unterschieden. Bei der entzündlichen Reaktion führt die anhaltende Entzündungsreaktion zur langsamen Zerstörung der Wurzel, was in einem fehlenden Wachstum des Zahns und in einer Lockerung resultiert. Bei der Ankylose kommt es zu einem Umbauprozess der Wurzel im Knochengewebe. Dies passiert meist in Folge einer Verletzung der Wurzelhaut vor dem Einsetzen aber auch durch ein bisher unverstandenes Aktivieren der knochensubstanzaufbauenden Zellen.
Was muss ich nach einer Zahntransplantation beachten?
Unmittelbar nach der Operation ist meist die Einnahme von entzündungshemmenden und schmerzstillenden Medikamenten notwendig, außerdem wird zu Kühlung der Wunde und Schonung geraten. Eine ausgezeichnete Mundhygiene mit oralen Lösungen ist unumgänglich. Nach 7-10 Tagen werden die Nähte entfernt.
In regelmäßigen Abständen wird der Spezialist eine klinische und radiologische Kontrolle vornehmen, um ein korrektes Einwachsen des Zahns zu überprüfen und Entzündungen auszuschließen. Auch weitere Behandlungsoptionen wie Überkronung oder kieferregulatorische Maßnahmen können nach vollständigem Verwachsen durchgeführt werden.
Welche Vor- und Nachteile bringt eine Zahntransplantation mit sich?
Vorteile
- Die Zahntransplantation stellt eine der wenigen Möglichkeiten dar auch im kindlichen Gebiss und bei Milchzähnen Lücken zu schließen.
- Nachbarzähne werden bei dieser Methode, im Gegensatz zu Überkronung oder Brücken, nicht beschädigt.
- Da es sich um eine Transplantation innerhalb eines Individuums handelt, sind Immunreaktionen beziehungsweise Abstoßungen nicht zu erwarten.
- Kostentechnisch schneidet eine Transplantation um einiges besser ab als Vergleichsmethoden, bei denen Implantate, Kronen oder Brücken labortechnisch hergestellt werden müssen.
- Transplantate besitzen ein sogenanntes „osteoinduktives Potenzial“ – sie regen also den Knochen durch ihre direkte Verankerung zu weiteren Stoffwechselprozessen an und erhalten den Knochen, während Brücken dies nicht tun.
Nachteile
Wurzelresorptionsvorgänge sind leider keine Seltenheit und für das häufigste Nicht-Überleben der Transplantate verantwortlich. Durch sehr sauberes hygienisches Arbeiten und Vermeidung von Berührung der Wurzel, kann dieses Risiko allerdings reduziert werden.

Ist eine Zahntransplantation eine dauerhafte Lösung?
Metaanalysen sprechen derzeit – bei komplikationslosem Verlauf – von einer Haltbarkeit von circa 10 Jahren, in Einzelfällen sind sogar 20 Jahre beschrieben. Zähne mit noch nicht abgeschlossener Wurzelentwicklung haben dabei eine bedeutend bessere Prognose.
Übernimmt die Krankenkasse die Kosten?
Die Kosten für eine Zahntransplantation liegen grundsätzlich unter denen anderer Zahnersatzmethoden und werden darüber hinaus in der Regel von der Krankenkasse übernommen.
Häufige Fragen zur Zahntransplantation (FAQ)
Wie lange dauert es, bis ein transplantierter Zahn fest einwächst?
Die Einheilzeit hängt vom Alter und der Wurzelentwicklung ab, meistens brauchst Du sechs bis zwölf Wochen, bis der Zahn stabil verwachsen ist. In dieser Zeit sind Kontrolle, gute Mundhygiene und Schonung besonders wichtig.
Kann man auch bleibende Zähne transplantieren?
Ja, aber das funktioniert am besten bei jungen Patienten mit nicht abgeschlossener Wurzelentwicklung. Bei Erwachsenen sind zusätzliche Maßnahmen wie eine Wurzelbehandlung oft notwendig.
Was passiert, wenn das Transplantat nicht einheilt?
In dem Fall kann der Zahn verloren gehen, dann brauchst Du möglicherweise eine andere Form von Zahnersatz wie ein Implantat oder eine Brücke. Dein Zahnarzt wird Dich dabei begleiten.
Ist eine Zahntransplantation schmerzhaft?
Die Behandlung erfolgt unter lokaler Betäubung. Schmerzen spürst Du also während des Eingriffs keine. In den Tagen danach kann es zu Wundschmerzen oder Schwellungen kommen, die sich aber gut mit Medikamenten behandeln lassen.
Was darf ich nach der Zahntransplantation essen?
Weiche Kost ist in den ersten Tagen ideal, also Suppen, Brei oder weiches Gemüse. Harte oder krümelige Speisen solltest Du vermeiden, um das Transplantat nicht zu belasten.
Kann man eine Zahntransplantation mit einer Zahnspange kombinieren?
Ja, häufig ist das sogar sinnvoll. Besonders bei Jugendlichen wird die Transplantation oft in ein kieferorthopädisches Gesamtkonzept integriert, z. B. zur späteren Feineinstellung der Zahnstellung – häufig in Kombination mit einer Zahnspange.
Welche Nachsorge ist nach der Zahntransplantation wichtig?
Neben regelmäßiger Kontrolle beim Zahnarzt solltest Du auf sorgfältige Mundhygiene achten – sanftes Zähneputzen, antibakterielle Spülungen und kein Druck auf die Transplantatstelle in den ersten Wochen.
