Was ist eine Syndaktylie?
Bei einer Syndaktylie, umgangssprachlich auch als „Schwimmhäute“ bezeichnet, handelt es sich um eine angeborene Fehlbildung der Hände oder Füße, bei der benachbarte Finger oder Zehen zusammengewachsen sind. Dadurch fehlt der natürliche Zwischenraum. Eine passende Einordnung findest Du auch im Bereich Hand & Fußchirugie.

Wie sehen die Symptome aus?
Charakteristisch ist das Zusammenwachsen von Fingern oder Zehen. Besonders häufig sind Mittel- und Ringfinger betroffen. Bei starker Ausprägung können sogar sämtliche Finger einer Hand miteinander verbunden sein.
Welche Ursache hat die Syndaktylie?
Bei einigen Betroffenen ist die Erkrankung auf Vererbung zurückzuführen. Hierbei liegt ein Gendefekt vor, der dazu führt, dass es während der Embryonalentwicklung zu keiner Trennung der einzelnen Abschnitte der Finger oder Zehen kommt. Die fehlende Trennung kann dabei allein oder in Kombination mit anderen Krankheiten, beispielsweise dem Apert-Syndrom oder dem Smith-Lemli-Opitz-Syndrom, auftreten. Eine weitere Ursache kann das Amniotische-Band-Syndrom darstellen, bei dem sogenannte amniotische Schnürringe, das heißt stark klebende Bänder, Körperteile wie Finger und Zehen des ungeborenen Kindes abschnüren.
Auch äußere Einflüsse auf den Embryo während der Schwangerschaft können zu einem Zusammenwachsen von Fingern und Zehen beitragen. Dazu zählen unter anderem der Genuss von Alkohol und die Einnahme bestimmter Medikamente. In seltenen Fällen ist es auch möglich, dass sich die Fehlbildung erst in einer späteren Lebensphase entwickelt. Sprechen Mediziner von einer exogenen Syndaktylie, sind Unfälle und Verletzungen ursächlich für die Erkrankung, in deren Folge bei unzureichender medizinischer Versorgung Haut und Knochen nicht abheilen konnten. Hierzu zählen z.B. Verbrennungen.
Wer ist davon betroffen?
Statistisch betrachtet ist eines von 3000 Neugeborenen von einer Syndaktylie betroffen. In 20 bis 40 Prozent aller Fälle tritt die Anomalie durch Vererbung innerhalb der Familie auf. Doch auch zufällige Prozesse während der Schwangerschaft, wie zum Beispiel beim Amniotischen-Band-Syndrom, können zu Fehlbildungen führen, weshalb eine Vorbeugung prinzipiell nicht möglich ist.

Welche Folgen kann die Erkrankung haben?
Durch das Zusammenwachsen von Fingern oder Zehen können motorische Funktionen vor allem der Hände und teilweise auch der Füße erheblich eingeschränkt sein. Sind alle Finger miteinander verbunden, ist ein normales Greifen nicht möglich. Das kann einfache Bewegungen im Alltag deutlich erschweren. Kinder, die an einer Syndaktylie erkrankt sind, leiden häufig auch seelisch unter dieser Anomalie. In der Folge können sich soziale Ängste oder depressive Verstimmungen bilden.
Welche Formen gibt es?
Bezogen auf die Ausprägung unterscheiden Mediziner eine ossäre Syndaktylie, bei der knöcherne Strukturen miteinander verschmolzen sind, von einer Weichteilsyndaktylie, die durch eine Verwachsung von Weichteilgewebe gekennzeichnet ist. Die kutane Syndaktylie, eine Unterform der Weichteilsyndaktylie, bei der lediglich eine Hautverbindung zwischen den Fingern besteht, stellt die am häufigsten auftretende Form dar. Des Weiteren kann eine Unterteilung in eine partielle Syndaktylie erfolgen, bei der die betroffenen Finger bis zum Mittelgelenk verbunden sind, sowie in eine totale Syndaktylie, bei der die Verschmelzung bis zum Endgelenk reicht.
Was ist der Unterschied zur Brachydaktylie und zur Symbrachydaktylie?
Von einer Brachydaktylie sprechen Mediziner bei einer Verkürzung der Finger, wobei mitunter ganze Fingerglieder fehlen können. Treten sowohl eine Verwachsung der Finger (Syndaktylie) als auch eine Kurzfingrigkeit (Brachydaktylie) auf, handelt es sich um eine Symbrachydaktylie.
Für wen ist die Operation geeignet?
Bei Betroffenen, die unter der Syndaktylie leiden, sollte die Operation zwischen dem zweiten und dritten Lebensjahr erfolgen. Ein medizinischer Eingriff sollte dabei umso früher stattfinden, je deutlicher der Größenunterschied der betroffenen Finger ist. Durch einen frühzeitigen Operationszeitpunkt lassen sich negative Auswirkungen in Bezug auf die motorische und kognitive Entwicklung des Kindes vermeiden.
Die Durchführung einer operativen Durchtrennung der Zehen im Kleinkindesalter ist in der Regel nicht notwendig, da zusammengewachsene Zehen meist keine Beschwerden beim Erlernen des Gehens verursachen. Eine Operation erfolgt hierbei meist im Erwachsenenalter aus ästhetischen Gründen, sofern der Patient dies wünscht.

Was passiert vor einem Eingriff?
Um eine knöcherne Syndaktylie von einer Weichteilsyndaktylie unterscheiden zu können, kommen im Vorfeld einer Therapie bildgebende Untersuchungsmethoden wie Röntgen zur Anwendung. Gegebenenfalls kann eine Magnetresonanztomografie (MRT) der Hand oder des Fußes zusätzliche Informationen über die Weichteilstrukturen geben, wobei hierbei eine Narkose erforderlich ist, um eine Ruhigstellung der Gliedmaße des Säuglings zu gewährleisten.
Was muss ich vor einer Operation beachten?
Aufgrund des Risikos von Durchblutungsstörungen können Mediziner oft nur zwei Finger während eines Eingriffes trennen. Sind mehrere Finger betroffen, erfolgen die Operationen in der Regel nacheinander in einem Abstand von sechs Monaten. Des Weiteren ist zu beachten, dass die Operationsdauer in der Regel mehr als drei Stunden beträgt.
Welche Techniken und Operationsmethoden gibt es?
Bei partiellen Syndaktylien kommt häufig eine operative Durchtrennung der Finger oder Zehen ohne Hauttransplantation zum Einsatz. Hierbei schafft der Chirurg zwischen den nun getrennten Fingern oder Zehen eine neue Falte, die sogenannte Interdigitalfalte. Durch präzise Schnittverläufe der Haut kann der Mediziner gewährleisten, dass spätere Narben kaum mit dem Auge zu erkennen sind.
Besteht jedoch nur eine geringe Hautverschieblichkeit, muss neben der Durchtrennung auch eine Hauttransplantation erfolgen, wobei als Entnahmestelle oftmals die Leiste dient. Besonders bei Kindern ist es wichtig, keine großen mitwachsenden Narben entstehen zu lassen, da diese durch ihren Zug Finger und Zehen verkrümmen lassen können.
Was muss ich nach der Operation beachten?
Nach der Operation ist eine Ruhigstellung der Hand für etwa zehn Tage im Gips notwendig. Wurde der medizinische Eingriff am Fuß durchgeführt, ist das Tragen eines Spezialschuhs für ungefähr zwei bis drei Wochen erforderlich. Nach dieser Zeit erfolgt die Entfernung der Fäden, die oftmals in einer Kurznarkose stattfindet.
Für den Zeitraum der Heilphase kann unter Umständen eine tägliche Thrombose-Prophylaxe ratsam sein. Eine gute Narbenpflege kann die Nachsorge zusätzlich unterstützen.
Wie lange dauert die Heilung?
In der Regel erfolgt die Heilung aufgrund des jungen Alters der Patienten schnell.

Übernehmen die Krankenkassen die Kosten?
In der Regel werden die Kosten durch die Krankenkasse übernommen, da es sich um einen medizinisch indizierten Eingriff handelt. Du kannst Dich gerne auch an unsere Ärzte wenden, falls Du Dir bezüglich der Kosten unsicher sein solltest.
Weitere Fehlbildung: Klinodaktylie.
Häufige Fragen zur Syndaktylie
Kann eine Syndaktylie vererbt werden?
In etwa 20 bis 40 Prozent der Fälle ist eine genetische Veranlagung die Ursache. Dabei handelt es sich um eine autosomal-dominante Vererbung mit variabler Ausprägung. Das bedeutet, dass nicht in jeder Generation zwingend eine gleich starke Fehlbildung auftreten muss.
Ist eine Syndaktylie gefährlich?
In den meisten Fällen ist eine Syndaktylie nicht gesundheitlich gefährlich, kann aber funktionell oder ästhetisch einschränkend sein. Eine operative Korrektur ist medizinisch dann indiziert, wenn die Beweglichkeit der Finger oder Zehen eingeschränkt ist oder Entwicklungsverzögerungen drohen. Psychosoziale Belastungen bei Kindern stellen ebenfalls einen wichtigen Behandlungsgrund dar.
Wie lange dauert die Operation einer Syndaktylie?
Die Dauer hängt von der Anzahl und Ausprägung der zusammengewachsenen Finger oder Zehen ab. In der Regel dauert der Eingriff zwischen zwei und vier Stunden pro Operationssitzung. Wenn mehrere Finger betroffen sind, erfolgt die Trennung schrittweise in mehreren Sitzungen, um Komplikationen zu vermeiden.
Wie hoch ist das Risiko, dass die Finger nach der OP wieder zusammenwachsen?
Bei korrekt durchgeführter Operation und entsprechender Nachsorge ist das Risiko sehr gering. Eine regelmäßige Wundkontrolle, gute Narbenpflege und gegebenenfalls physiotherapeutische Nachbehandlung unterstützen eine dauerhafte Trennung. In seltenen Fällen können wachsende Narben oder Keloide eine Korrektur erforderlich machen – je nach Situation kann auch eine Narbenbehandlung/Narbenkorrektur relevant werden.
Kann eine Syndaktylie auch im Erwachsenenalter behandelt werden?
Auch bei Erwachsenen ist eine operative Korrektur möglich. Meist dann, wenn ästhetische Gründe oder spätere Einschränkungen der Handfunktion bestehen. Da das Gewebe im Erwachsenenalter weniger elastisch ist, kann der Heilungsverlauf länger dauern, und es kann vermehrt zu Narbenbildung kommen.
Wie sieht die Hand nach der OP aus?
Direkt nach dem Eingriff ist mit Schwellungen und leichten Blutergüssen zu rechnen. Später zeigt sich eine sichtbare Interdigitalfalte zwischen den getrennten Fingern. Dank moderner Schnitttechniken und plastischer Rekonstruktion ist das kosmetische Ergebnis bei Kindern meist sehr gut. Bei Erwachsenen hängt das Ergebnis stärker von der Hautelastizität und Heilungsfähigkeit ab.
